
"Der Aus- und Umbau der Energienetze gehört zu den großen Herausforderungen einer erfolgreichen Energiewende. Das betrifft sowohl die Übertragungs- als auch die Verteilernetze. Die erneuerbaren Energien wurden in den letzten Jahren sehr stark ausgebaut. Damit diese positive Entwicklung fortgesetzt werden kann, müssen auch im Bereich der Energieleitungen die erforderlichen Fortschritte erzielt werden. Nur so kann der Umbau unserer Energieversorgung gelingen!"
Die enorme Zunahme von Ökostromanlagen in Deutschland, insbesondere in Niedersachsen, und der damit verbundene Wandel des Energiesystems machen einen Aus- und Umbau der Netze auf allen Spannungsebenen (Höchstspannung sowie Hoch-, Mittel- und Niederspannung) erforderlich.
Die Transportnetze müssen deutlich ausgebaut werden, vor allem um den Strom aus Windkraftanlagen im Norden Deutschlands zu den Verbrauchszentren im Westen und Süden zu transportieren, aber auch um den steigenden Anforderungen eines grenzüberschreitenden Stromhandels gerecht zu werden. Hierzu machen insbesondere die Netzstudien I und II der Deutschen Energie-Agentur (dena) detaillierte Angaben. Die dena-Netzstudie II kommt u. a. zu dem Schluss, dass bei Verwendung etablierter 380-kV-Freileitungstechnik 3.600 km Höchstspannungstrassen bis zum Jahr 2020 neu gebaut werden müssen. Kosten dabei: Insgesamt 9,7 Milliarden EUR.
Aber nicht nur die Übertragungsnetze, sondern vor allem auch die Verteilernetze müssen im Rahmen der Energiewende erheblich ausgebaut werden. Eine Studie im Auftrag des BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. beziffert den durch den Zubau von Wind- und Photovoltaikanlagen bedingten Ausbaubedarf in deutschen Verteilernetzen bis zum Jahr 2020 auf über 195.000 (bzw. 380.000) km. Das Investitionsvolumen beläuft sich dabei auf 10-13 Mrd. (bzw. 21-27 Mrd.) EUR.
Bei alldem ist zu berücksichtigen, dass der intensive Ausbau der erneuerbaren Energien aus Netzsicht aber nicht nur hinsichtlich der Kabel (Hardware), sondern auch der Steuerung (Software) eine große Herausforderung darstellt. Denn bei den meisten erneuerbaren Energieträgern wird der Strom stark fluktuierend bzw. schwankend in die Netze eingespeist, was mit großen Anforderungen an die Netzführung und Gewährleistung der Netzstabilität verbunden ist. Daher haben innovative Ansätze zur Abstimmung von Angebot und Nachfrage (Smart Grids) eine besondere Bedeutung für die zukünftige Energieversorgung (siehe "Innovationen").

Um den Ausbau der Stromnetze, vor allem der Höchstspannungsnetze, in Deutschland voranzutreiben und zu beschleunigen, hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Zu den wichtigsten gehören dabei das „Gesetz über Maßnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus Elektrizitätsnetze“ sowie das „Energieleitungsausbaugesetz“ (EnLAG).
Kern des „Gesetzes über Maßnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus Elektrizitätsnetze“ ist das „Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG)“. Das NABEG sieht für Stromleitungen mit europäischer oder überregionaler Bedeutung, insbesondere bundesländerübergreifende Höchstspannungsleitungen, eine bundeseinheitliche Prüfung der Raumverträglichkeit und Planfeststellung durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) vor. Sowohl die Bundesfachplanung als auch das Planfeststellungsverfahren sehen dabei umfassende Partizipationsmöglichkeiten verschiedener Interessenträger vor.
Das NABEG gilt nicht für die Vorhaben, die im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) aufgeführt sind. Für diese Vorhaben liegt die Zuständigkeit für die Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren weiterhin bei den Ländern. Das EnLAG beschleunigt den Bau von 24 vordringlichen Leitungsbauvorhaben im 380 kV-Übertragungsnetz und ermöglicht dabei Erdkabel auf 380 kV-Ebene im Rahmen von vier Pilotprojekten. Drei dieser Leitungen verlaufen durch Niedersachsen, nämlich die Trassen Ganderkesee-St. Hülfe, Diele-Niederrhein und Wahle-Mecklar.
Weitere Informationen zu diesen und weiteren Gesetzen (z. B. zu Fragen der Raumordnung, Planfeststellung, etc.), zu technischen Lösungen und auch den verschiedenen aktuellen Verfahren enthält die Website „Netzausbau in Niedersachsen“, die die Niedersächsische Staatskanzlei erstellt hat.

Eng mit Fragen des Netzausbaus ist das Thema Intelligente Netze bzw. Smart Grids verbunden. Zentrales Merkmal eines Smart Grids ist die Durchdringung der Energieversorgung mit Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Über diese wird das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten des Energiesystems intelligent koordiniert. Dadurch werden die verschiedenen Erzeugungskapazitäten (insbesondere die erneuerbaren Energien) bestmöglich in das Gesamtsystem integriert und Angebot und Nachfrage miteinander in Einklang gebracht.
Intelligente Zähler bzw. Smart Meter sind ein Teil intelligenter Netze. Sie verfügen über ein breites Spektrum aktueller und potentieller Funktionen: Intelligente Zähler animieren durch Steigerung der Verbrauchstransparenz zum Energiesparen sowie in Verbindung mit variablen Tarifen zur Verlagerung des Verbrauchs in lastschwache Zeiten. Darüber hinaus können sie als Instrument eingesetzt werden, das Informationen über das Energienetz bereitstellt und das Zusammenspiel der einzelnen Akteure mit koordiniert.
Intelligente Netze spielen vor allem mit Blick auf die Weiterentwicklung der Mittel- und Niederspannungsleitungen eine wichtige Rolle. Denn auf dieser Netzebene werden besonders viele Anlagen erneuerbarer Energien angeschlossen, um genau zu sein: 99 Prozent.
Niedersachsen nimmt im Bereich der Forschung und Entwicklung zu intelligenten Netzen und Zählern eine Spitzenposition ein. So sind niedersächsische Unternehmen und Institutionen an dem Förderprogramm "E-Energy - IKT-basiertes Energiesystem der Zukunft" beteiligt, das vom Bundeswirtschaftsministerium in ressortübergreifender Partnerschaft mit dem Bundesumweltministerium betrieben wird. Weitere Informationen hierzu finden sich im Internet unter http://www.e-energy.de/