In Niedersachsen herrscht akuter Lehrermangel – sowohl an den allgemein- als auch an den berufsbildenden Schulen. Die Folge: Unterrichtsausfall. Allein an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen können im Schuljahr 2016/17 – rein rechnerisch – rund 600.000 Stunden nicht erteilt werden. Die Unterrichtsversorgung liegt damit im Landesdurchschnitt gerade einmal bei 98,9 Prozent. An den berufsbildenden Schulen liegt der Durchschnitt sogar nur bei 88,1 Prozent. So schlechte Werte hat es in Niedersachsen seit mehr als fünfzehn Jahren nicht gegeben – zuletzt unter den SPD-Ministerpräsidenten Schröder und Gabriel.

Kai Seefried, schulpolitischer Sprecher

Kai Seefried, schulpolitischer Sprecher

Der Grund für die vielen ausgefallenen Stunden ist simpel: In Niedersachsen fehlen Lehrer. Der Stunden-Bedarf liegt im laufenden Schuljahr deutlich über dem, was mit der Personalausstattung zu leisten war. An Niedersachsens Schulen konnten wegen des Lehrermangels jede Woche mehr als 15.000 Unterrichtsstunden nicht erteilt werden. Das entspricht etwa 600 fehlenden Vollzeitlehrerstellen. „Die Zahlen belegen, dass Ministerin Heiligenstadt mit ihrer so genannten Zukunftsoffensive Bildung gescheitert ist“, sagt der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Kai Seefried.

Langfristig droht in Niedersachsen in vielen Schulen der Ausfall von Pflichtunterricht, wenn Rot-Grün nicht endlich etwas unternimmt. Denn mit der Wiedereinführung des G9 an den Gymnasien im Schuljahr 2020/21 müssen schlagartig 1.300 Lehrerstellen besetzt werden, um den zusätzlich entstehenden Stundenbedarf zu decken. Darüber hinaus werden auch die Schülerzahlen voraussichtlich stärker ansteigen als erwartet. Nicht zuletzt aufgrund des Flüchtlingszustroms könnten bis 2025 33.000 mehr Schüler als bislang kalkuliert Niedersachsens Schulen besuchen.

Maßnahmen zur dauerhaften Verbesserung der Unterrichtsversorgung gefordert

In einem Entschließungsantrag zu diesem Thema hat die CDU-Landtagsfraktion die Landesregierung aufgefordert, ein Konzept zur Sicherung der Unterrichtsversorgung bis 2025 vorzulegen. „Wir wollen eine langfristige Lösung“, betont Seefried. „Die Maßnahmen müssen zu einer dauerhaften Verbesserung der Unterrichtsversorgung führen und dürfen das Problem nicht bloß auf spätere Schuljahre verschieben.“

Dazu gehöre auch die von der CDU bereits seit Jahren angemahnte unabhängige Erhebung der Lehrerarbeitszeit. Eine Forderung, die auch durch das 2015 ergangene Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg zur Mehrarbeit von Gymnasiallehrern unterstützt wird. Die Online-Befragung, die das Kultusministerium im Juni 2016 durchgeführt hat, bezeichnet Seefried als peinliches Ablenkungsmanöver. Gerade einmal 10.300 der insgesamt rund 90.000 niedersächsischen Lehrkräfte hatten sich daran beteiligt.

Auch das von Kultusministerin Heiligenstadt vorgelegte 17-Punkte-Papier ist in den Augen des CDU-Schulexperten alles andere als überzeugend. „Bei dem Papier handelt es sich um einen Katalog von Notmaßnahmen, aus dem die ganze Verzweiflung der Ministerin spricht. Der Effekt dürfte sehr begrenzt sein – viele der aufgezählten Maßnahmen werden eher weitere Probleme schaffen.“