Für mehr als 100 Jahre war der Wolf komplett aus den niedersächsischen Wäldern verschwunden. Doch in den letzten Jahren konnte der Wolf als streng geschützte Art wieder nach Niedersachsen zurückkehren. Nach ersten Hinweisen auf einen Wolfbestand in verschiedenen Landesteilen im Jahr 2011 gilt der Wolf seit 2012 wieder als heimisch. Derzeit wird der Bestand auf mindestens 70 Tiere geschätzt – Tendenz steigend.

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Ernst-Ingolf Angermann, MdL, Abgeordneter der CDU-Landtagsfraktion

Ein großer Erfolg für den Tierschutz doch die Einwanderung des Wolfs nach Niedersachsen ist alles andere als unproblematisch: Immer wieder werden Nutztiere gerissen – Landwirte, Züchter und Schäfer sind zunehmend verunsichert. Darüber hinaus werden vermehrt Wölfe gesichtet, die scheinbar kaum Scheu vor der Nähe zum Menschen haben.

„Als Grundsatz für den Umgang mit dem Wolf muss gelten: Der Schutz der Betroffenen steht an erster Stelle. Bei Tieren die sich untypisch verhalten und eine tatsächliche Bedrohung für den Menschen darstellen, muss eine Entnahme aus der Natur durch speziell ausgebildetes Personal grundsätzlich möglich sein“, betont der CDU-Landtagsabgeordnete Ernst-Ingolf Angermann. „Die Landesregierung muss dringend verbindlich festlegen, wann das Verhalten eines Wolfes als artfremd gilt und ein Tier deshalb aus der freien Natur entnommen werden muss. Das wäre nicht nur für die Sicherheit des Menschen, sondern auch für die Akzeptanz des Wolfs innerhalb der Bevölkerung ein wichtiger Schritt.“

Weidetierhalter stehen mit dem Rücken zur Wand

Doch vor allem die betroffenen Nutztierhalter haben immer weniger das Gefühl, dass die rot-grüne Landesregierung sie ausreichend beim Schutz ihrer Herden vor Wolfsangriffen unterstützt. Denn obwohl viele Betroffene alle verfügbaren Sicherungsvorkehrungen treffen, fallen dem Wolf immer wieder Tiere zum Opfer.

Eine neue Dimension erreichte die Wolfproblematik Anfang September: Im Naturschutzgebiet Armstorf-Langenmoor (Landkreis Cuxhaven) wurde ein ausgewachsenes noch dazu hochtragendes Rind von einem oder mehreren Wölfen angegriffen und getötet. Ein Szenario, dass Wolfsbefürworter bislang ausgeschlossen kategorisch ausgeschlossen haben.  Angermann: „So kann es nicht weitergehen. Die Grünen-Minister Wenzel und Meyer müssen endlich eine Lösung finden. Auf Dauer wird sich der maximale Schutz des Wolfes nicht mit der für den Agrarstandort Niedersachsen existentiellen Weidetierhaltung vereinbaren lassen.“

Die Förderung von Präventionsmaßnahmen wird dabei allerdings nicht ausreichen. Die Weide, auf der das Tier angegriffen wurde, liegt im Kerngebiet der niedersächsischen Milchproduktion. In einem Umkreis von 50 Kilometern befinden sich rund 180.000 Hektar Grünland. Die Kosten für eine grundlegende Prävention würden bei mehr als 100 Millionen Euro liegen – eine utopische Summe.

„Dauerhaft wird Niedersachsen nicht um wirksame Maßnahmen zur Bestandsregulierung umhin kommen“, so Angermann. Dazu müsse die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) auf EU-Ebene endlich angepasst und der Wolf als streng geschützte Tierart aus dem Anhang IV entfernt werden.“ Einen Antrag, der die Landesregierung auffordert, sich für eine entsprechende Änderung einzusetzen, hat die CDU-Fraktion bereits im Juni 2015 in den Landtag eingebracht.

Verunsicherung statt Akzeptanz

Bislang plädierte Umweltminister Wenzel jedoch stets dafür, erst einmal alle weiteren Schutzmaßnahmen, wie die Anschaffung von Herdenschutzhunden und –Eseln umzusetzen. Für Schäfer und Weidetierhalter eine Zumutung, denn noch immer dauert es Wochen bis Fördermittel erteilt werden – auf die Auszahlung von Entschädigungen warten die Geschädigten sogar bis zu einem Jahr.

Auch die zunehmende Annährung einzelner Wölfe an Menschen und die zunehmend angespannte Lage in der Bevölkerung, konnten den Minister nicht umstimmen. Auch im Fall des zu trauriger Berühmtheit gelangten Wolfs mit der Kennzeichnung MT6 passierte zunächst lange nichts. Immer wieder hatte sich das Tier offenbar ohne Scheu Menschen genähert oder war ihnen gefolgt. Im Januar wurde dann bekannt, dass der Überwachungssender, mit dem das Tier kontrolliert werden sollte, bereits seit einem Monat kein Signal mehr sendete. Für das Umweltministerium offenbar kein Gruznd einzugreifen. „Minister Wenzel muss sich die Frage gefallen lassen, ob er überhaupt an Erkenntnissen aus der Besenderungsaktion interessiert war“, kritisiert Angermann.

Erst nach Augenzeugenberichten über einen Angriff von MT6 auf einen Hund und dem gescheiterten Vergrämungsversuch eines extra aus Schweden eingeflogenen Wolfsexperten, gab Wenzel nach langem Hin und Her im April schließlich den Befehl zum Abschuss des Wolfs. Später wurde bekannt, dass das Umweltministerium offenbar bereits seit Monaten Kenntnisse über Bild- und Videomaterial hatte, das eine frühzeitige Gewöhnung des am Munsteraner Truppenübungsplatz angesiedelten Wolfsrudels  an den Menschen belegen soll. Angermann dazu: „Es kann nicht sein, dass der zuständige Minister die Öffentlichkeit über Monate mit Mutmaßungen abspeist, während der Beweis längst vorliegt. Offenbar hat Wenzel die Menschen wochenlang bewusst getäuscht, wenn Fragen nach den Ursachen für das untypische Verhalten von Wölfen gegenüber dem Menschen gestellt wurden. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Wenzel die Menschen in Niedersachsen aus ideologischen Gründen und falsch verstandener Tierliebe bewusst über Monate einer Gefahr ausgesetzt hat.“