Für mehr als 100 Jahre war der Wolf komplett aus den niedersächsischen Wäldern verschwunden. Doch in den letzten Jahren ist er als streng geschützte Art wieder nach Niedersachsen zurückgekehrt. Nach ersten Hinweisen auf einen Wolfbestand in verschiedenen Landesteilen im Jahr 2011 gilt der Wolf seit 2012 wieder als heimisch. Derzeit wird der Bestand auf über 140 Tiere geschätzt, die einzeln, als Paar oder im Rudel durch Niedersachsen streifen – Tendenz steigend. Fast täglich werden Nutztiere gerissen, Landwirte, Züchter und Schäfer sind zunehmend verunsichert. Bis August 2017 sind dem Wolf mindestens 700 Tiere zum Opfer gefallen. Darüber hinaus werden vermehrt Wölfe gesichtet, die scheinbar kaum Scheu vor dem Menschen haben.

Ernst-Ingolf Angermann, Abgeordneter der CDU-Landtagsfraktion

„Als Grundsatz für den Umgang mit dem Wolf muss gelten: Der Schutz der Betroffenen steht an erster Stelle. Bei Tieren, die sich untypisch verhalten und eine tatsächliche Bedrohung für den Menschen darstellen, muss eine Entnahme durch speziell ausgebildetes Personal grundsätzlich möglich sein“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Ernst-Ingolf Angermann. „Die Landesregierung muss dringend verbindlich festlegen, wann das Verhalten eines Wolfes als artfremd gilt und ein Tier deshalb entnommen werden muss. Das wäre nicht nur für die Sicherheit des Menschen, sondern auch für die Akzeptanz des Wolfs innerhalb der Bevölkerung ein wichtiger Schritt.“

Weidetierhalter stehen mit dem Rücken zur Wand

Die betroffenen Nutztierhalter haben immer weniger das Gefühl, dass die rot-grüne Landesregierung sie ausreichend beim Schutz ihrer Herden vor Wolfsangriffen unterstützt. Denn obwohl viele Betroffene alle verfügbaren Sicherungsvorkehrungen wie Flatterbänder oder entsprechend hohe Zäune treffen, nehmen die Nutztierrisse nicht ab. Im Gegenteil: Der Wolf überspringt mittlerweile – völlig artfremd – selbst 1,20 Meter hohe, elektrifizierte Zäune mit einer Spannung von 5.000 Volt.

Eine neue Dimension erreichte die Wolfproblematik Anfang September 2016: Im Naturschutzgebiet Armstorf-Langenmoor (Landkreis Cuxhaven) wurde erstmals ein ausgewachsenes und noch dazu hochtragendes Rind von mindestens einem Wolf angegriffen und getötet – ein Szenario, das Wolfsbefürworter zuvor kategorisch ausgeschlossen hatten. Mittlerweile sind dem Wolf mindestens 20 weitere Rinder zum Opfer gefallen. Angermann kritisiert: „So kann es nicht weitergehen. Die Grünen-Minister Wenzel und Meyer müssen endlich eine Lösung finden. Auf Dauer wird sich der maximale Schutz des Wolfes nicht mit der für den Agrarstandort Niedersachsen existentiellen Weidetierhaltung vereinbaren lassen.“ So befinden sich beispielsweise im Kerngebiet der niedersächsischen Milchproduktion in einem Umkreis von 50 Kilometern rund 180.000 Hektar Grünland. Die Kosten für eine grundlegende Prävention würden bei mehr als 100 Millionen Euro liegen – eine utopische Summe.

CDU legt Sieben-Punkte-Plan vor

„Dauerhaft wird Niedersachsen nicht um wirksame Maßnahmen zur Bestandsregulierung umhin kommen“, so Angermann. Dazu müsse die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) auf EU-Ebene endlich angepasst und der Wolf als streng geschützte Tierart aus dem Anhang IV entfernt werden. Einen Antrag, der die Landesregierung auffordert, sich für eine entsprechende Änderung einzusetzen, hat die CDU-Fraktion bereits im Juni 2015 in den Landtag eingebracht. In einem im Februar 2017 zusätzlich eingebrachten Sieben-Punkte-Plan fordert die CDU-Fraktion zudem eine Beweislastumkehr: Bisher müssen Landwirte DNA-Nachweise vorlegen, um einen finanziellen Entschädigungsanspruch geltend machen zu können. Die Auszahlung der Entschädigungszahlungen dauert bislang mehrere Monate. „Nach einem Wolfsriss brauchen Tierhalter umgehend Unterstützung – nicht erst vier Monate später“, kritisiert Angermann. „Bei einer Beweislastumkehr stünden den Tierhaltern sofort Entschädigungen zu, weil das Land erst einmal nachweisen müsste, dass es sich nicht um einen Wolf gehandelt hat.“ Darüber hinaus sieht der Sieben-Punkte-Plan unter anderem vor, Rudelverbünde zu konditionieren und durch Nutztierrisse aufgefallene Wölfe zu entnehmen. Beide Initiativen wurden durch Rot-Grün inzwischen abgelehnt.