Vollgestopfte Straßen, viel Lärm und gestresste Autofahrer – auf Baltrum, Juist, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge ist das längst Geschichte, denn sie sind autofrei. Bis auf vereinzelte Fahrzeuge wie Rettungswagen sind auf ihnen nur Fußgänger, Fahrradfahrer und Pferde erlaubt. Geheizt wird auf den Inseln noch mit Öl oder Gas. Daher wären sie ein ideales Testgebiet, um anhand der Nutzung vorhandener Stromüberschüsse zu überprüfen, inwiefern lokale Emissionen der Wärmeversorgung verringert und Logistikkosten für Öl und Gas gesenkt werden können. Aus diesem Grund hat die CDU-Landtagsfraktion den Antrag „Modellprojekt emissionslose Nordseeinsel“ in den Landtag eingebracht. Ziel des Projekts ist es, die Inseln ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen.

Wie wird eine autofreie Nordseeinsel emissionsfrei?

Martin Bäumer, umweltpolitischer Sprecher

Mehr als 30 Prozent des Strombedarfs in Deutschland wird durch erneuerbare Energien gedeckt, 17 Prozent davon allein durch Windkraft. Niedersachsen gehört zu den entwicklungsstärksten Bundesländern in Sachen erneuerbare Energien: In einigen windstarken Regionen an der Küste liegt der theoretische Selbstversorgungsgrad bei über 100 Prozent. Der so erzeugte Strom muss zum Teil kostenpflichtig abtransportiert werden. „Ziel sollte es aber sein, diesen Stromüberschuss sinnvoll zu nutzen, zum Beispiel für die Wärmeversorgung und Mobilität“, so Martin Bäumer, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Genau hier setzt das „Modellprojekt emissionslose Nordseeinsel“ an. „Moderne Nachtspeicher- oder Infrarotheizungen sind in der Lage, überschüssigen Strom aufzunehmen und diesen – auch unter Verwendung von Speichern – bei Bedarf in der kalten Jahreszeit als Wärme wieder abzugeben“, erklärt Bäumer. Auch der Einsatz von Elektroautos könne so auf den Nordseeinseln weiter gefördert werden. Bei der bisher kritisierten geringen Reichweite der E-Autos sieht Bäumer keine Probleme: „Für den Verkehr auf den Inseln spielt die Reichweite eher eine untergeordnete Rolle.“ Bereits jetzt sind die Nordseeinseln auch wegen des Klimawandels vermehrt von öfter auftretenden Sturmfluten, Überflutungen und schließlich Landverlust betroffen. Eine reine Kompensation des CO2-Ausstoßes wäre bei Weitem nicht so effektiv, wie die komplette Umstellung auf erneuerbare Energien.

Modellprojekt kann für alle Beteiligten ein großer Gewinn werden

Die Vorteile der „emissionslosen Nordseeinsel“ liegen auf der Hand:

  • Überschüssiger Strom kann vor Ort genutzt werden
  • Alternativen für fossile Brennstoffe schonen die Umwelt
  • Entfall von Logistiktransporten für die Kraftstoffversorgung mit Öl und Gas
  • Neue Perspektiven für das E-Auto entstehen
  • Inseln können sich als emissionslose Gebiete touristisch neu präsentieren

Bei einer Anhörung im Umweltausschuss Anfang 2017 hat die CDU-Initiative bereits viel Zustimmung von Seiten der Landesregierung, der EWE AG und der Stadt Borkum erhalten. Letztere hat signalisiert, als potentieller Partner für das Modellprojekt zur Verfügung zu stehen. Bäumer wird im Frühjahr 2017 mit dem CDU-Arbeitskreis Umwelt und Klimaschutz auf die ostfriesischen Inseln reisen, um vor Ort weitere Details für die Realisierung des Modellprojekts zu besprechen.