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Pressemitteilung vom 15.09.2016

Rede des CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Stephan Siemer zu TOP 24 „Kultur sichtbar machen – Ein digitaler Kulturatlas für Niedersachsen“

– Es gilt das gesprochene Wort! –

Mit dem vorliegenden Antrag „Kultur sichtbar machen – Ein digitaler Kulturatlas für Niedersachsen“ von April dieses Jahres fordert die FDP, dass sich Niedersachsen als Kulturland in noch modernerer Form darstellt. Und das heißt heute, dass das Land alle Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt und dabei berücksichtigt, wie die Menschen in der heutigen Zeit Informationen zu Kultur, Geschichte, Gebräuchen und Lebensart auf anderen als in der Vergangenheit üblichen Wegen aufnehmen.

Ein digitaler Kulturatlas soll alle wichtigen Informationen zu den kulturellen Höhepunkten in Niedersachsen selbst, zu den Örtlichkeiten, den Erreichbarkeiten, Anfahrwegen usw. zusammenfassen und dabei alle Institutionen, die sich schon jetzt für die Kultur in Niedersachsen engagieren, direkt einbinden.

Im Ausschuss hat die TourismusMarketing Niedersachsen (TMN) über die Internetseite www.reiseland-niedersachsen.de, den Facebook-Account „mein Niedersachsen“ und die Plattform in den Sozialen Medien www.meinniedersachsen.de informiert, insbesondere im Hinblick auf die dort dargestellten Inhalte. Dafür an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank. Herr Agsten vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr hat dabei unter anderem erläutert, dass die Rubrik Kultur und Geschichte in 2013 etwa 25.000 Zugriffe, zwei Jahre später rund 28.000 Zugriffe hatte.

Fragen wir uns doch mal, wie wir alle heute das Netz nutzen und was sich dort in den letzten Jahren alles geändert hat und weiter ändern wird. Wie recherchieren wir in diversen Internetauftritten? Welche Rolle spielen Apps heutzutage bei der Informationsrecherche? Wie haben sich die Apps geändert? Setzt Niedersachsen modern konzipierte Apps ein, um sich als Land von Kunst, Kultur und Geschichte gerade bei jungen Nutzern darzustellen? Was können wir aus dem Erfolg des neuen Spiels Pokémon GO lernen?

Bei Pokémon Go können die Spieler u.a. an besonderen Orten der realen Welt, den sogenannten Pokéstops, Bälle und anderen sogenannte Items erwerben und erhalten zusätzlich Informationen zu historischen Gebäuden und Kunstwerken. In meiner Heimatstadt Vechta kennen nun die Pokémon GO-Spieler die Kunstwerke vor dem Amtsgericht Vechta, den Standort der Synagoge, die Nazis in der Reichsprogromnacht völlig zerstört haben.

Dieses neue Spiel ist auch deshalb so erfolgreich, weil es neue Wege geht, die Realität in das Spiel einzubeziehen- eine App der erweiterten Realität, „augmented Reality“ – und vermittelt dabei wichtige und sinnvolle Informationen über Geschichte und Kultur. Allein über Pokémon GO greifen die Spieler wahrscheinlich öfter auf Geschichte, Kunst und Kultur in Niedersachsen zu, als dies bei den vorgenannten Internetseiten bisher der Falle ist. Vielleicht können wir auch eine App wie Pokémon GO mit den Selbstkorrekturmechanismen mit Wikipedia kombinieren, so dass wir eine Niedersachsen-Kultur-App erhalten, die spielerische die niedersächsische Vielfalt den Menschen näher bringt.

Dieses Beispiel zeigt, dass es heute neue Wege gibt, Kultur digital im Netz darzustellen und gerade auch auf junge Nutzer zu vermitteln. Genau darauf zielt der Antrag der FDP ab und Rot-Grün lehnt den Antrag einfach ab. In der Schule, an den Universitäten – Stichwort digitalisierte Lehre, beim Breitbandausbau müssen wir neue Wege gehen, damit die Menschen in Niedersachsen nicht den Anschluss verlieren.

Was macht hier Rot/Grün? Nichts oder zu wenig. Wie unser Fraktionsvorsitzender Björn Thümler in seiner Haushaltsrede ausgeführt hat, wird Bayern bis 2018 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau des Breitbandnetzes investieren. Was macht Niedersachsen? De facto nichts, denn hier stehen gerade einmal 60 Millionen Euro bereit. Werden wir damit die Herausforderungen der Zukunft meistern? Nein. Selbst Estland ist hier weiter als Niedersachsen.

Ein weiteres Beispiel. Schon letztes Jahr hat die CDU-Landtagsfraktion den Antrag gestellt, die digitalisierte Lehre an den niedersächsischen Hochschulen weiter voranzubringen. Rot-Grün findet das Thema angeblich wichtig, hat aber den CDU-Antrag stumpf abgelehnt und bis heute nicht eigenes zustande gebracht. Die Landesregierung zieht blank bei der Digitalisierung. Digitale Zukunft auch in Bezug auf Kultur findet woanders statt. Stattdessen hat Rot-Grün einen neuen Slogan, den Claim „Klar“ entwickeln lassen. Niedersachsen. Klar. Kosten 46.000 Euro, also 11.500 Euro pro Buchstabe. Hätten Sie noch 11.500 Euro mehr spendiert, hieße es wohl Niedersachsen. Klare!

Klar ist für mich, dass Niedersachsen in allen zentralen Bereichen der Digitalisierung zurückfällt. Beim Breitband, bei der digitalisierten Lehre an den Hochschulen, bei der Darstellung unserer geschichtlichen und kulturellen Vielfalt im Netz. Deshalb unterstützen wir den Antrag der FDP und lehnen die Rot-Grüne-Ausschussempfehlung, sich nicht mehr mit dem Thema zu befassen ab.Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.