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Pressemitteilung vom 18.08.2016

Rede des CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Stephan Siemer zu TOP 11 „Zukunftsprogramm ‚Digitale Lehre‘ auflegen – Online-basierte Lehre an niedersächsischen Hochschulen stärken!“

– Es gilt das gesprochen Wort –

Hochschulen in den USA, in Großbritannien und vielen anderen Ländern bieten schon seit Jahren neue digitalisierte Lehr- und Lernformate an. Sie nutzen innovative Kommunikationsnetzwerke und erfinden Lehre neu. Selbstverständlich erfüllen sich nicht bei allen Lehrinnovationen, wie zum Beispiel bei MOOCS, den Massive Open Online Courses, die in sie gesetzten Erwartungen. Das kennen wir auch in anderen Lebens- und Technikfeldern. Wir können aber schon heute mit Fug und Recht sagen, dass sich die digitalisierte Lehre international etabliert hat und laufend weiterentwickelt wird.

Etwas flapsig gesagt, heißt digitalisierte Lehre: Weg von Power Point, hin zur digital unterstützen Interaktion, wie wir sie aus den sozialen Medien kennen – allerdings ohne die negativen Begleiterscheinungen, die es bei Facebook und Co. gibt. Wir wollen die Vermittlung und Vertiefung akademischer Inhalte digital unterstützen, so das Vorlesungsinhalte online zur Verfügung stehen und zum Beispiel Seminare digital vorbereitet und digital unterstützt durchgeführt werden.

Viele niedersächsische Hochschulen sind auf einem guten Weg in der digitalisierten Lehren. Einige, aber nicht alle Hochschulen haben dem sich E-Learning Academic Network Niedersachsen ELAN e.V. angeschlossen und bringen dort die digitalisierte Lehre voran. Digitalisierte Lehre in dem im Antrag formulierten Sinne bringt viele Vorteile insbesondere für Studierende mit sich. Die Hochschulen können Lehrinhalte:

  • in einem viel höherem Maße als bisher individualisiert anbieten, das heißt Lehrinhalte stehen abgestimmt auf Zielgruppen zur Verfügung.
  • flexibler, das heißt zeitlich und örtlich unabhängiger anbieten.

Um dies deutlich zu sagen: Wir verfolgen mit der weiteren digitalisierten Lehre keine Einsparziele. Lehre soll nicht billiger werden, soll individueller gestaltbar sowie flexibler und breiter zugänglich sein.

Digitalisierte Lehre eröffnet auch die Chance, zum Beispiel Deutschkurse für Flüchtlinge schnell und effektiv flächendeckend anzubieten. Diese neuen Möglichkeiten möchten wir systematisch an allen niedersächsischen Hochschulen und zum Beispiel auch in Zusammenarbeit mit der Erwachsenbildung nutzen. Dazu dient unser Antrag.

Dabei treibt uns der Gedanke, dass wir an vielen Stellen und bei vielen Beteiligten noch viel Erfahrung mit der praktischen Nutzung der digitalisierten Lehre sammeln sowie Erfahrungen, Methoden, Konzepte und Inhalte über Hochschulen hinweg austauschen müssen. Dazu muss die Transparenz erhöht und Urheberrechtsfragen geklärt werden. Dies gelingt nur, indem wir:

  • die Wertschätzung der Lehre an den Hochschulen erhöhen
  • die Lehre als gleichwertigen Bestandteil der akademischen Qualifikation verankern und
  • den Austausch der Lehrinhalte und Lehrmittel zwischen Hochschulen und Hochschullehrkräften verstärken.

Wir, die Kolleginnen und Kollegen der CDU-Landtagsfraktion, wollen die digitalisierte Lehre und nicht bestimmte Institutionen voranbringen und haben dazu bereits im September des letzten Jahres, also vor fast genau zwölf Monaten einen Entschließungsantrag mit ganz konkreten Forderungen in die Ausschussberatungen eingebracht. Wir beantragen zum Beispiel:

  • Hochschulen bei der Entwicklung von Lernplattformen zu unterstützen.
  • Datenschutz, Urheberrechte
  • Motivationssysteme

Wir fordern eine nachhaltige Förderung und wollen gerade bei diesem wichtigen Zukunftsthema weg vom Projektcharakter. In der 51. Sitzung des Ausschusses für Wissenschaft und Kultur im Oktober 2015 hat das Ministerium zur digitalisierten Lehre unterrichtet. Gemeinsam haben wir im Ausschuss dann eine umfassende Anhörung externer Experten beschlossen und Beiträge dazu in schriftlicher und mündlicher Form erhalten. Dafür einen herzlichen Dank von dieser Stelle alle, die sich an der Anhörung beteiligt haben.

Wie die Anhörung gezeigt hat, haben die Experten die wesentlichen Punkte unseres Antrages bestätigt. Auch sie fordern:

  • eine nachhaltige Unterstützung der Lehre, mehr Wertschätzung für die Lehre. Die Digitalisierung der Lehre muss in den Zielsetzungen der Hochschulen strategisch verankert werden.
  • Eine Verstetigung der Mittel, damit die Hochschulen die Digitalisierung langfristig umsetzen können. Wir müssen weg vom Projektcharakter der Finanzierung.
  • die Bedingungen für den Erfolg der digitalisierten Lehre zu verbessern, indem die richtigen Anreize für die Förderung der Lehre gesetzt werden und Rechtssicherheit besteht.

Unser Antrag deckt umfassenden Anregungen durch die Experten in der Anhörung ab. Alle Experten fordern eine ganzheitliche konzertierte Aktion – auch der Vertreter des ELAN-, so wie wir sie mit unserem Antrag voranbringen wollen. Also Sie, das Ministerium und die Regierungsfraktionen sind gefordert.

Was erwarten wir von Rot-Grün heute?

  • Legen Sie nach elf Monaten Beratung im Ausschuss einen eigenen Antrag vor oder stimmen Sie heute unserem Antrag heute zu.
  • Bekennen Sie sich zu einem Programm, mit dem wir die die digitalisierte Lehre zu einem flächendeckenden Erfolg in Niedersachsen ermöglichen können.
  • Stellen Sie im Landeshaushalt 2017/2018 die erforderlichen Mittel ein, um die digitalisierte Lehre weiter voranzubringen.

Was ist bisher seitens Rot-Grün in elf Monaten passiert? Nichts. Kein Antrag Ihrerseits, keine erkennbaren Vorschläge für die Jahre 2017/2018. Stattdessen weisen Sie, wie bei vielen anderen Punkten darauf hin, dass in Niedersachsen alles gut sei.

Bei Ihrem Verhalten erinnere ich mich an das Werk von Voltaire „Candide oder die beste aller Welten“. Dabei handelt es sich um eine Satire, die sich mit einer übermäßig optimistischen, verklärenden Weltanschauung auseinandersetzt. Voltaire porträtiert dort Candide als Einfaltspinsel oder etwas positiver gesagt als etwas simpel strukturiert. Candidie stolpert durch eine Welt, die durchaus nicht die beste aller möglichen Welten ist. Dies erzählt ihm am laufenden Band sein philosophischer Lehrer Pangloss. Nach vielen Irrungen und Wirrungen und dem unerschütterlichen Glauben von Pangloss, dass alles in Ordnung sei und Candide doch in der besten aller Welten lebt, endet das Leben von Candide in banaler häuslicher Arbeit.

In den Beratungen zu digitalisierten Lehre kommt es mir so vor, als hätte das Ministerium die Rolle von Pangloss übernommen und male alles in rosaroten Farben. Die Fraktionen von SPD und Grünen nehmen demzufolge die Rolle von Candide ein und glauben nur noch an ein rosarotes Weltbild. Wir von der CDU-Landtagsfraktion sagen, dass Niedersachsen ein landesweites Programm braucht, mit dem wir die digitalisierte Lehre an alle Hochschulen einführen bzw. die schon aktiven Hochschulen in der Weiterentwicklung unterstützen.

Wir brauchen ein Programm, das zentrale Fragen zum Mitteleinsatz, zur Rechtssicherheit und zu neuen Anreizstrukturen beantwortet. Die niedersächsischen Hochschulen brauchen endlich eine klare Positionierung des Landes.

Kommen Sie Ihrer Aufgabe nach und regieren Sie. Legen Sie selbst einen Änderungsantrag vor und stimmen Sie unserem Antrag zu.